Käppeleshalde

Mehr als 100 Arten auf einer steilen Halde

Die Käppeleshalde ist Naturschutzgebiet, Rückzugsort für seltene Arten und prägend für das Ortsbild. Dahinter stecken viel Engagement und jährliche Pflege.

Von Raphael Sickinger, Schwarzwälder Bote

Epfendorf. Warum muss eine Naturschutzfläche gemäht werden, auf der mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten vorkommen? Uwe Mei, Naturschutzwart, und Jörg Dessecker, Leiter des Landschaftspflege-Trupps des Schwäbischen Albvereins, erklären, welche Pflegemaßnahmen jährlich an der Käppeleshalde vorgenommen werden – und warum sie so wichtig sind.
Naturschutz bedeutet auf der Käppeleshalde nicht, die Natur einfach sich selbst zu überlassen: Damit die seltenen Pflanzen und die damit verbundene Insektenwelt erhalten bleiben, muss der Mensch regelmäßig eingreifen. „Es ist eine typische Wacholderheide, extrem steil und eingebettet. Die große Gefahr für die Fläche ist der umliegende Wald, der immer weiter in die offene Fläche dringt“, erklärt Mei.
Ohne Eingriffe droht die Fläche zu „verbuschen“. „Würde man die Fläche sich selbst überlassen, würden junge Eichen, Haselnüsse oder andere Gehölze wachsen. Dadurch würden licht- und wärmeliebende Pflanzen verschwinden“, sagt Mei.
Die Wacholderheide ist ein Hotspot der Artenvielfalt. Laut Jörg Dessecker kommen hier mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten vor. Unter anderem wachsen auf der Käppeleshalde Blüten- und Nektarpflanzen wie Küchenschelle, Majoran und Thymian. Sie bieten wiederum zahlreichen Insekten Nahrung und Lebensraum.
Auch die trockenen Bedingungen können für einige der Pflanzen von Vorteil sein. „Sie kommen mit der Trockenheit gut zurecht“, erklärt Dessecker. In trockenen Jahren wächst weniger Gras, sodass konkurrenz-schwächere Pflanzen bessere Bedingungen vorfinden.

An der Käppeleshalde werden jährlich Pflegemaßnahmen vorgenommen.
Uwe Mei (von links), Naturschutzwart, Jörg Dessecker, Landschaftspflegetruppleiter des Schwäbischen Albvereins, und FÖJler Louis Pflugfelder kümmern sich um das Naturschutzgebiet.

Viel Handarbeit
Die Pflegemaßnahmen an der Käppeleshalde erfolgen gezielt und nicht flächendeckend.
Jährlich wird etwa ein Drittel bis die Hälfte der Fläche gemäht – vor allem dort, wo starker Gehölzaufwuchs vorhanden ist. Der geeignete Zeitpunkt für die Mahd ist, wenn die Hauptvegetation durch ist. „Ein Jahr ohne Pflege würde die Fläche verkraften, aber überlängere Zeit würde alles zuwachsen“, erklärt Dessecker.
Hinter der Pflege steckt viel Handarbeit. Der Landschaftspflege-Trupp des Schwäbischen Albvereins ist im gesamten Vereinsgebiet unterwegs. Auf der Käppeleshalde arbeiten unter anderem der Truppleiter und zwei Teilnehmer eines Freiwilligendienstes. Teilweise unterstützen auch Ehrenamtliche aus den Ortsgruppen die Arbeiten.
Die Ortsgruppe Epfendorf hat die Patenschaft für das Naturschutzgebiet übernommen. Ehrenamtliche schauen auch außerhalb der Pflegetermine nach der Fläche und achten darauf, dass keine Pflanzen ausgegraben oder andere Schäden verursacht werden.
Die Küchenschelle ist sehr selten und gilt in ganz Deutschland als streng geschützt.
Foto: Uwe Mei
Wichtiger Erholungsort
Die Käppeleshalde ist nicht nur ökologisch, sondern auch für die Gemeinde wertvoll. „Die offene Landschaft bietet Aussicht, Erholung und prägt das Ortsbild“, betont Mei. Gerade die Verbindung von Natur, Landschaft und Lebensqualität sei wichtig.
Nachwuchs gesucht
Vor einer Herausforderung steht der Schwäbische Albverein allerdings bei der Suche nach Nachwuchs. Die Ortsgruppe ist – wie viele Vereine – auf der Suche nach jüngerenMitgliedern. Mei hofft deshalb, wieder mehr junge Menschen für die Natur, das Wandern und das ehrenamtliche Engagement begeistern zu können. Ohne die Pflegemaßnahmen, würde die offene Wacholderheide langfristig verschwinden.